(Leider) nach der heimischen Schlechtwetterperiode und mitten im grassierenden WM-Fieber nahm ich reissaus – auf die Blumeninsel im Atlantik, nach Madeira. Eines gleich vorneweg: Die Insel ist Genuss pur! Quasi ein ferienmässiges Traumtor …nun ja, dem Fussball konnte man sich auch dort nicht entziehen – Portugal war ja auch noch im Rennen und deutsche Touristen gibts überall 😉 Anyway, hier ein paar Eindrücke der Reise:

Ja, ich gestehe, mit EasyJet geflogen zu sein 😉 Die Briten sind ja mittlerweile allgegenwärtig und haben sich auch ein gutes Stück vom Inselverkehr-Kuchen abgeschnitten. EZY transportiert Dich von A nach B zu Tarifen, die einer Eisenbahngesellschaft auch gut stehen würden – da konnte ich auch nicht nein sagen. Aber mehr Emotion ist da nicht. Immerhin: Die ganze Abwicklung inklusive WWW klappte gut, noch selten bin ich pünktlicher geflogen und die Airbus A319 in Sardinenbüchsenausführung sind recht neu (2009 resp. 2006 auf dem Rückflug). Nun aber zu einigen Highlights:

#1: Aviatikbegeisterten ist er ein Begriff: Aeroporto da Região Autónoma da Madeira / Aeroporto da Santa Catarina / Aeroporto do Funchal oder einfach FNC/LPMA. Die Säulenkonstruktion der Pistenverlängerung aus dem Jahr 2000 wurde mit dem „Outstanding Structures Award“ ausgezeichnet. Der Anflug auf die Piste 05 gehört zum anspruchsvollsten, was Piloten in Europa „hinkriegen“ müssen – hier wird noch von Hand geflogen! Natürlich war ich auch mit der Kamera am Pistenrand unterwegs – davon aber in einem späteren Eintrag mehr.

Aber nun zu anderen Pisten, #2: Die Strassen Madeiras. Hier im Bild die einzige, einigermassen flache und längere Gerade der Insel auf der Hochebebne Paul da Serra (mitten im Niemandsland auf 1500müM). ALLE! anderen Strassen Madeiras sind steil und kurvig. Dies gilt selbst für den Expressway – es muss geschaltet und gebremst und gelenkt werden, dass es schier in Arbeit ausartet! Einzig in den zahlreichen Tunnels kann man sich etwas entspannen. An dieser Stelle ein Ratschlag für alle Besuchenden: Beim Mietwagen sollte man nicht sparen und ggf. ein kräftiges Modell (Diesel, Mittelklasse) wählen 🙂 Die Beschilderung ist gut, der Zustand der Strassen ist vernünftig und die Einheimischen haben einen moderat südeuropäischen Fahrstil (und kämpfen genauso mit den Tücken der Geografie und mangelnder Leistung ihrer Untersätze).

Eben, die anderen Verkehrsteilnehmer, stellvertretend für #3 ein Peugeot 404 Pick-Up in Topzustand. Auf Madeira gibt es noch viele ältere Autos in gutem Zustand. Das französische Modell oben wurde 1960-75 gebaut und steht immer noch makellos da. Aber auch alte englische Sportwagen, luftgekühlte VW (Käfer und Co.), Mercedes W114/5 und W123, vorzugsweise als Saugdiesel, sowie einige andere Raritäten sind auf der Insel unterwegs. Die Volta à Madeira Classic Rallye wurde während meiner Anwesenheit ausgetragen und so sah man extraviel schönes altes Blech.

#4: Unterwegs zu Fuss – Wandern ist auf Madeira definitiv ein „Must-Do“. Warum? Ganz einfach – die Landschaft ist rauh, zerklüftet, grün, kurz atemberaubend. Es ist nicht zu heiss, so 25°C, und – man wandert meist entlang einer Levada, diesen typischen Bewässerungskanälen, welche das Wasser von den feuchten Nordhängen auf die sonnige Südseite bringen und für die Landwirtschaft von grosser Bedeutung sind.

#5: Die Landwirtschaft an den unmöglichsten Stellen: Jeder noch so kleine Flecken Erde wird terrassiert und der fruchtbaren Lava-Erde wird allerlei Früchte und Gemüse abgerungen. Auch auf dem Bild oben kann man die Terrassen erkennen – bewässert wurden sie natürlich von oben durch eine Levada. Ganz offensichtlich scheint sich der Aufwand zu lohnen – man bedenke auch, dass viele Nahrungsmittel ansonsten von weit her angeliefert werden müssten, zu entsprechenden Preisen.

#6: Die Steilklippen. Wie gesagt, überall wird etwas angebaut. So auch am Fuss der Cabo Girão, mit ca. 580m eine der höchsten Steilklippen Europas. Die Aussicht und der Tiefblick sind überwältigend!

#7: Die Madeira-Banane (lat. Bezeichnung unbekannt) – vor allem an der Südküste wird die kleine, geschmackintensive Frucht überall angepflanzt. Sie wird üblicherweise roh gegegessen, aber auch gerne gedämpft zum Espada (Degenfischfilet) serviert. Lecker!

#8: Die Blütenpracht. In Parks, am Strassenrand, im Unterholz, überall blüht es auf der Insel in den vielfältigsten Formen und Farben. Das ausgewogene Klima ist dabei sehr hilfreich (und der Mensch hilft manchmal auch nach). Bougainvillea, Hibiskus, Oleander, Strelizien (Bild), Feigenkaktus, Drüsen-Äonium, Hortensien, die „Afrikanische Liebesblume“ und „Der Stolz Madeiras“ – es blüht auf Schritt und Tritt und zwar während praktisch dem ganzen Jahr. Nicht umsonst spricht man vom ewigen Frühling auf dieser Insel.

#9: Die Blütenpracht reloaded. Ich werde ja gar nicht fertig… Sehr viele Blumen kann man sich im Jardim Botanico, dem Botanischen Garten in Madeira, in aller Ruhe ansehen. Die Kunstgärten (s.o.) mit geometrischen Mustern und geschnittenen Büschen wirken etwas deplaziert, aber der Rest ist durchaus sehenswert. Es gibt Sukkulenten, allerlei Bäume und Palmen und Blumen bis genug. Müssig zu erwähnen, dass der Garten in extremer Hanglage angelegt ist und man auch etwas für die körperliche Ertüchtigung tut.

#10: Die Ponta de São Lourenço, das Ostkap der Insel, gehört zu den trockensten Regionen der Insel. Hier ist die Vegetation komplett anders, die Winde peitschen auf der nördlichen Seite die Wellen an die Klippen und auf der südlichen Seite (Bild) geniesst man die farblichen Kontraste vom roten, gelben und schwarzen Lavagestein zum tiefblauen Atlantik.

#11: Top of the Island, der Pico Ruivo. Nach einer einfachen, rund einstündigen Wanderung erreicht man den höchsten Punkt der Insel, den 1861müM hohen Pico Ruivo. Man hat eine grandiose Rundumsicht auf die Insel – wenn die Wolken auf der Nordseite nicht wären… Die Passatwinde schaufeln jedoch immerzu feuchte Luft an die Nordhänge und man kann den Wolken förmlich zusehen, wie sie über die Insel fliessen.

#12: Das Wasser. Es macht Madeira erst lebenswert, ermöglicht der Bevölkerung ein Auskommen (nicht zu vergessen die Fischerei im Ozean) und lässt die Insel zum Blumenparadies werden. Als Besucher habe ich diese Aspekte sehr genossen und ich würde Madeira allen Reisenden empfehlen, die auf Badestrände verzichten können (wie gesagt, Deutsche hat es dennoch 😉 ), die gerne in der Natur sind und eine rauhe Landschaft faszinierend finden – erholsamer Aktivurlaub par excellence.