Eigentlich hatte ich mir ja geschworen, dass ich, solange dieser Obercowboy die Zügel der U.S.A. hält, dem Land den Rücken zudrehe und meine Ferien woanders verbringe… Eine günstige familiäre Konstellation bewirkte die Abkehr von dieser Festlegung und eine Flugbuchung bei United Airlines. Nachdem dies mein erstes Mal Amerika ist (den Grosstantenbesuch in N.Y. als Dreijähriger zähle ich nicht) muss ich sagen, es hat sich gelohnt, Amerika muss man gesehen haben und die allermeisten Sehenswürdigkeiten verlieren ihren Reiz auch trotz Gepäckröntgen und Metalldetektoren nicht.
UA937 brachte uns nach Washington D.C., wo wir die ersten paar Tage „per pedes“ die Downtown erkundeten, natürlich meist rund um die Mall. Dank der Smithsonian Institution sind die allermeisten Museen in DC gratis und man könnte nur schon mit deren Besuch eine Woche durchbringen. Wir besuchten auch Arlington Cemetery, die Great Falls im Potomac River, Mount Vernon (Wohnsitz George Washingtons), den Zoo (Grosse Pandas!) u.v.m.

Das Kapitol und die Pennsylvania Av., vom Old Postal Tower aus gesehen.
Nach 5 Tagen hiess es jedoch wieder packen, nun standen zwei Wochen Autorundreise an. Den ersten Stopp machten wir in der Nähe von Baltimore, ein Rundflug über die Stadt und die Chesapeake Bay stand an.

Baltimore hat, im Gegensatz zu Washington, Skyscrapers. In D.C. sind sie verboten, was die Stadt sehr attraktiv und offener macht. So haben wir aber doch noch welche gesehen.
Über die Delmarva-Halbinsel ging es südwärts, wir besuchten ein paar Naturschutzgebiete an der Bay und an der Atlantikküste. Via die Chesapeake Bay Tunnel Bridge erreichten wir Jamestown, die erste definitive Siedlung europäischer Menschen auf dem amerikanischen Kontinent (1607). Weiter südlich, in North Carolina strebten wir erneut dem Ozean zu, wir erreichten Kitty Hawk auf den Outer Banks mit den letzten Sonnenstrahlen.

Diese mehrere hundert Kilometer lange Sandbank/Inselgruppe verwöhnte uns mit Temperaturen um 30°C und ein paar Tagen Strandfeeling pur. Natürlich sind wir ein bisschen rumgefahren, „Grillen“ kann man auch auf Malle.
Via New Bern (das „alte“ Bern ist also x-mal schöner 😉 ) fuhren wir danach nach Charleston in South Carolina.

Alte, farbige Häuser, ein klassischer Markt, baumbestandene Quartiersträsschen. Die Stadt hat echt viel Charme und lädt zum Flanieren ein. „Wäutsgmüetlech“!
Vom Sommer (Charleston liegt etwa auf der Höhe von Marrakesch) switchten wir anschliessend direkt in den Herbst („Indian Summer“), in den Great Smoky Mountains National Park. Hier beginnt eine der schönsten Strassen der Welt, der Blue Ridge Parkway. Angelegt entlang der Peaks der Blue Ridge Mountains schlängelt sich diese super ausgebaute Aussichtsstrasse über 460 Meilen weit durch die Appalachen. Wenig bis kein Verkehr, keine Ortschaften, (fast) keine Kreuzungen, nur Aussichtspunkte und Kurven – ein himmlischer Genuss!

Einer der unzähligen Fotohalte, genutzt um das Terrain, die Vegetation und den Volvo auf Pixel zu brennen. Der schwedische Kombi war uns wohlbekannt und bis vor 6 Monaten in der Schweiz unterwegs – mit einem Schaltgetriebe und km-Tacho ein wahrer Exot. Wir legten damit etwa 3500km in 14 Tagen zurück.
Nach (oder vor) dem Blue Ridge Parkway schliesst der „Skyline Drive“ durch den Shenandoah National Park an, nur 105 Meilen lang aber nicht minder spektakulär. Doch nicht nur fahren kann man in den Parks, man kann natürlich auch prima Wanderungen unternehmen, was wir, eher an Berge gewöhnt, jeweils etwas dynamischer als Einheimische angingen (sie rechnen nie mit mehr als 2 Meilen pro Stunde).
Leider ist Shenandoah nicht weit von Washington entfernt, was bedeutete, dass es wieder ostwärts ging. Der Besuch in Amerika war – egal was man von deren Politik hält – ein echter Bringer: Sie haben auch ein paar gute Sachen dort drüben. Thumbs up and CU!